Pädagogik bei uns – Wurzeln schlagen, frei wachsen

Unser Konzept: Lernen in der Natur

Wir begegnen jedem Kind als eigenständige Persönlichkeit, die von Geburt an kompetent ist und ihre Entwicklung aktiv mitgestaltet. Wir verstehen uns als fester Fels in der Brandung: als verlässliche Bezugspersonen, zu denen die Kinder jederzeit kommen können.

Unsere Waldkindergärten sind echte „Draußen-Kindergärten“ und die Natur ist dabei unser wichtigster Bildungsraum. Sie spricht den ganzen Menschen multisensorisch an – Wahrnehmung, Denken, Fühlen, Fantasie, Körperempfinden und Bewegungslust gleichermaßen. Anders als vorgefertigtes Spielzeug gibt Naturmaterial keine Nutzung vor: ein Stock kann Schwert, Zauberstab oder Werkzeug sein. Das fördert Kreativität, Vorstellungskraft und eigenaktives Handeln. Feste Rituale wie Morgenkreis, gemeinsamer Weg zum Waldplatz, Freispielzeit und Abschlusskreis geben Struktur und Sicherheit. Statt vorausgeplanter Jahresprojekte entstehen Bildungsanlässe meist informell aus dem Alltag heraus: eine gefundene Kröte, ein schmelzender Schneeball, ein umgestürzter Baumstamm – daraus erwächst Lernen aus erster Hand. Durch das Spielen mit Naturmaterialien, das Erleben der Jahreszeiten und das Beobachten von Tieren und Pflanzen entwickeln Kinder ein tiefes Verständnis für ihre Umwelt.

Umgang miteinander

Beteiligung ist bei uns kein Lippenbekenntnis, sondern gelebter Alltag. Wir orientieren uns an der Partizipationsleiter (nach Hart/Arnstein) und streben in der Gruppenarbeit vor allem die Stufe der Mitbestimmung an: Kinder bringen Ideen ein, wir entwickeln gemeinsam, wie sie umgesetzt werden können, und auch Minderheitenmeinungen bekommen Raum. Grundlage jeder Partizipation ist die Freiwilligkeit – niemand wird zur Teilnahme an einem Angebot gezwungen.

Ein zentraler Baustein unseres Umgangs miteinander ist die Ko-Regulation: Bevor ein Kind lernt, seine Gefühle selbst zu regulieren, braucht es die Erfahrung, dass eine ruhige, verlässliche Bezugsperson mit ihm gemeinsam durch starke Emotionen geht. Wir bleiben in solchen Momenten präsent, benennen das Gefühl und helfen dem Kind, sich zu beruhigen – nicht, indem wir das Gefühl wegreden, sondern indem wir es mit aushalten. Darauf aufbauend arbeiten wir bei Konflikten mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte. So lernen Kinder nach und nach, ihr Innenleben auszudrücken und Lösungen zu finden, die für beide Seiten stimmen, und können Konflikte mit der Zeit zunehmend auch ohne Unterstützung Erwachsener klären.

Ergänzend begleiten wir Kinder im Sinne der „wachsamen Sorge“ (nach Omer Haim) – von offener Aufmerksamkeit über fokussiertes Nachfragen bis hin zu notwendigen Schutzmaßnahmen, wenn eine Situation es erfordert.

Enge Zusammenarbeit mit Eltern

Wir sehen Eltern als wertvolle Partner in der Entwicklung der Kinder. Deshalb legen wir großen Wert auf regelmäßigen Austausch:

  • Elternabende & Workshops – Infos & Mitgestaltungsmöglichkeiten
  • Elternarbeitsgruppen – aktives Mitgestalten der Kita durch Einbringen in Elternarbeitsgruppen
  • Transparente Kommunikation – Einblick in den Kita-Alltag
  • Gemeinsame Aktionen & Feste – Kita hautnah miterleben

Vorschule/Übergang zur Schule

Auch ohne Buchstabenheft und Arbeitsblätter erwerben Kinder im Waldkindergarten genau die Kompetenzen, die einen guten Start in die Schule ausmachen – nur eben auf natürliche, alltagsintegrierte Weise. Der tägliche Weg zum Waldplatz über Wurzeln, Stämme und unebenes Gelände schult nicht nur Gleichgewicht und Körperbeherrschung, sondern legt über die räumliche Erfahrung auch die Grundlage für mathematisches Vorstellungsvermögen sowie für den späteren Schrifterwerb. Beim Schnitzen, Sammeln und Verarbeiten von Naturmaterial entwickelt sich ganz ebenbei die Feinmotorik, die später beim Schreibenlernen gebraucht wird. Im Morgenkreis werden die Kinder täglich gezählt, es wird verglichen, sortiert und klassifiziert – erste mathematische Kompetenzen entstehen so im Spiel statt am Arbeitsblatt.

Auch sprachlich sind die Kinder gefordert: Weil es kein Spielzeug gibt, das schon eine Funktion vorgibt, müssen sie sich untereinander ständig verständigen, aushandeln und erklären – ihr Wortschatz und ihre Ausdrucksfähigkeit wachsen dadurch kontinuierlich mit. Über Ko-Regulation und Gewaltfreie Kommunikation (siehe „Umgang miteinander“) lernen die Kinder außerdem, ihre Gefühle zu benennen, sich selbst zu beruhigen und Konflikte konstruktiv zu lösen– Fähigkeiten, die für das Lernen und Miteinander in der Klasse mindestens so entscheidend sind wie das Zählen oder erste Buchstaben. Die Ruhe und Reizarmut des Waldes fördern zudem Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, während das freie Spiel in der Gruppe Selbstständigkeit, Frustrationstoleranz und soziale Kompetenz stärkt.

Diese entwicklungsbegleitende Arbeit läuft während der gesamten Kindergartenzeit: Wir beobachten die individuelle Entwicklung jedes Kindes genau und dokumentieren den Aufbau motorischer, sozialer, kognitiver und emotionaler Kompetenzen. Den Abschluss der Kindergartenzeit feiern wir bewusst als besonderen Moment.

Auch die Eltern begleiten wir in dieser Phase: durch Gespräche über den Entwicklungsstand des Kindes und Unterstützung beim Loslösen – getreu dem Motto „Dein Kind wird groß“. Für Kinder mit sprachlichem Förderbedarf ermöglichen wir zwei Jahre vor der Einschulung eine Sprachstandserhebung und öffnen bei Bedarf den Zugang zum Vorkurs Deutsch in Kooperation mit der zuständigen Grundschule.

Noch Fragen offen?

Hier können Sie unsere ausführliche Waldkindergarten Konzeption herunterladen.

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